Autor: admin

  • Sommerfest im Kretschmar-Huber-Haus am 23.06.2023

    Nachdem ich 2019 bereits die Adventsfeier musikalisch begleiten durfte, freute ich mich riesig, nach 3 1/2 Jahren nun beim Sommerfest wieder für die Bewohner*innen des örtlichen Altenheims zu musizieren.

     

    Gegen 14:30 Uhr fanden sich die Bewohner*innen mit ihren Angehörigen sowie einige ehrenamtliche Mitarbeiter*innen des Freundeskreises des Kretschmar-Huber-Hauses, der das Fest organisierte, im benachbarten evangelischen Gemeindehaus ein. Mit meinem instrumentalen Selbstläufer „Rainy day“ eröffnete ich das bunte Programm.

     

    Nach Kaffee, Kuchen und netten Gesprächen stimmte ich meine vorbereiteten Mitsing-Lieder an. Dafür hatte man mir vorab eine Liste mit den den Bewohner*innen bekannten Volksliedern zukommen lassen, beispielsweise „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, „Kein schöner Land in dieser Zeit“ oder „Hoch auf dem gelben Wagen“. Die Bewohner*innen beteiligten sich aber nicht nur singend bei den Volksliedern, sondern auch mit eigenen Beiträgen: Eine Bewohnerin trug ein Sommergedicht vor, ein Bewohner erzählte einen Witz und ein weiterer Bewohner spielte ein Lied auf der Querflöte und forderte mich mit einem weiteren Volkslied spontan heraus. Es waren schöne, liebevoll aufbereitete Beiträge – kurz und schlicht, aber zu 100 Prozent authentisch und voller Freude.

     

    Mit mindestens genauso viel Freude kamen als weiteres musikalisches Highlight die „Notenküken“, ein Chor von 15 quirligen Kindergartenkindern, zu Besuch und erfreuten unsere Herzen mit einem Frühlingslied, einer Geschichte über Mathilda, die Schnecke in unserem Garten, und zuletzt mit dem bekannten Klassiker über Pippi Langstrumpf. Von den beiden Betreuungsfachkräften des Heims gab es eine kurze Ansprache, bevor sie einen Sitztanz anleiteten. Um den Rahmen des Pogramms zu schließen, war als letztes ich wieder gefragt und ermutigte mit meinem Lied „Liebe Dich selbst“ alle zum Abschluss, negative Glaubensmuster zu durchbrechen und sich selbst Liebe und Wertschätzung anstatt Strenge oder gar Ablehnung entgegenzubringen.

     

    Es machte mich unbeschreiblich glücklich, endlich mal wieder für eine soziale Einrichtung aktiv sein zu dürfen. Musikalische Flexibilität und ein gutes Gespür für die Menschen und die Stimmung im Raum sind dabei sicherlich von Vorteil. Bei den Volksliedern spielte ich nicht einfach meinen Instrumentaldurchlauf und dann die Gesangsstrophen durch, sondern passte mich der Gruppe an – wenn sofort losgesungen wurde, dann gab es eben kein Vorspiel, und wenn in der zweiten Strophe schon niemand mehr Lust hatte oder der Text einfach nicht mehr bekannt war, hörte ich eben nach diesem Durchlauf auf. Einleitungs- und Schlusslied waren in dieser Form gar nicht geplant, da war es gut, eine immer und überall verfüg- und mit nicht perfektem, aber doch ganz vernünftigem Ergebnis abrufbare Liederschatzkiste zu haben. Und das Highlight war natürlich das spontane Zusammenspielen mit dem Heimbewohner mit der Querflöte – sicherlich auch nicht perfekt, aber aus dem Moment heraus mit so viel Begeisterung und Freude seitens des Bewohners, und das zu spüren, war für mich ein großes Geschenk. Wenn mir diese geforderte Flexibilität und Feinfühligkeit für die Situation, die spontane und direkte Interaktion mit den Menschen und das ungezwungene Musizieren aus reiner Leidenschaft, das mit so viel Freude und Dankbarkeit belohnt wurde, ohne dass eine bestimmte Leistung erwartet wurde, eines zeigte, dann: Hier fühle ich mich am richtigen Platz. Hier darf ich so sein, wie ich bin, und kann etwas geben, ohne mich verstellen oder mir Gedanken um die Wirkung meines Verhaltens, meiner Lieder, meines musikalischen Spiel- oder Gesangsniveaus oder sonst etwas machen zu müssen. Hier bin ich zu 100 Prozent ich. Mein Einsatz bei dem Sommerfest bestärkte mich in dem Gefühl, dass mein Weg, langfristig ein regelmäßiges Ehrenamt im sozialen Bereich aufzubauen, richtig ist.

  • Vorlesestunde zum Welttag des Glücks: Eine alte Stärke wird wiederentdeckt

    Nach dem großen Anklang letztes Jahr lud die Stiftung Kraftnetz auch dieses Jahr zu einem Aktionstag anlässlich des Welttags des Glücks ein. So gab es am Sonntag, dem 26.03.2023 in der Kulturküche Karlsruhe wieder ein buntes Programm: Kaffee, Kuchen und frisch gebackene Waffeln, einen Informationsstand zur Bewegung „Action for happiness“, eine Verkleidungsecke, in der man in verschiedene Rollen schlüpfen konnte, ein Ständchen des neu gegründeten Kulturküchen-Chores und noch einiges mehr. Für mich war sofort klar, dass ich nach der durchweg positiven Erfahrung meiner Mitmachbühne auch wieder mit einem eigenen Angebot dabei sein wollte – doch diesmal sollte es nichts mit Musik zu tun haben.

     

    Während meiner Schullaufbahn, insbesondere während der Grundschulzeit und meiner ersten Realschuljahre, prägte vor allem das Lesen meinen Alltag. Ich habe sehr schnell lesen gelernt und konnte fortan kein Punktschriftbuch mehr liegen lassen, ohne nicht wenigstens für ein paar Zeilen meine Finger hineingesteckt zu haben. Dieses Hobby (viele sahen es als eines meiner größten Talente an) blieb meinen Lehrer*innen nicht verborgen und ich wurde zu so ziemlich jedem Vorlesewettbewerb geschickt, an dem die Schule teilnehmen wollte. Das war immer etwas besonderes für mich und die Ergebnisse waren gar nicht schlecht. Aber spätestens mit meinen ersten eigenen Liedern, mit denen ich unter Leute ging, gehörte diese einstige Leidenschaft der Vergangenheit an – bis kurz vor Weihnachten 2022. Da erzählte mir ein Kollege von einem Buch, das er gerade liest, und hatte die Idee, er könne mir ja in einer Mittagspause mal daraus vorlesen. Das war eine unheimlich schöne Erfahrung für mich und löste in mir viele Erinnerungen aus – und führte mich zu dem Entschluss: Ich will es nochmal versuchen!

     

    Und so lud ich an jenem Sonntag in der Kulturküche alle, die wollten, um 15.30 Uhr in ein uriges Eckchen ein, welches ich vorab kuschelig eingerichtet hatte. Es kamen deutlich mehr, als ich erwartet hatte, altersmäßig bunt durchmischt, das hat mich sehr überrascht und ich habe mich riesig gefreut. Passend zum Welttag des Glücks hatte ich mir eine Geschichte namens „Inga und ich machen Menschen glücklich“, eine Geschichte aus der bekannten Reihe „Wir Kinder aus Bullerbü“, von Astrid Linggren ausgesucht. Die Lehrerin hat zu Inga und Lisa gesagt, es sei wichtig, andere Menschen glücklich zu machen. Sie hat auch Tipps gegeben, wie man das anstellen kann. Aber funktionieren diese Tipps auch tatsächlich? Und schaffen die beiden Mädchen es am Ende, jemanden wirklich glücklich zu machen? Eine Geschichte, die sehr realitätsnah und authentisch die Lebenswelt von Kindern aufgreift und mir dadurch immer wieder ein Schmunzeln entlockte, eingebettet in das bekannte Örtchen Bullerbü. Mein Ziel war, eine Perspektive auf das Thema „Glück“ zu werfen, mit der sich die Kinder gut identifizieren können und die die Erwachsenen dazu animiert, das Leben einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und was soll ich sagen? Es war für mich (und ich glaube auch für meine Zuhörer*innen) ein voller Erfolg! Ich merkte, dass trotz der vielen vorlesefreien Jahre immer noch eine gewisse Routine da war, laut vor Leuten zu lesen, bekam im Anschluss viel positives Feedback und es machte mir noch genauso viel Spaß wie früher. Der vertiefende Austausch über das Gehörte und die im Zuge dessen geteilten Denkanstöße aus der Runde bestätigten dies eindrücklich.

     

    Das gegenseitige Vorlesen (nicht in Form von Hörbüchern, sondern von Angesicht zu Angesicht) ist eine besondere Möglichkeit, anderen Menschen (nicht nur Kindern) Zeit und Zuwendung zu schenken. Dies (wieder) zu erfahren und diese alte, lange unbeachtete Stärke nach so langer Zeit mal wieder einzusetzen, war ein tolles Gefühl.

  • Appell an alle E-Roller-Fahrer

    Ich bin gerade auf dem Weg zur Arbeit, als mir plötzlich ein E-Roller den Weg versperrt. Er liegt mitten auf dem Gehweg und nichts ahnend, wie ich bin, falle ich erstmal drüber – daran kann auch mein Blindenstock nichts ändern.

    Ich bin vielleicht 50 Meter weitergelaufen, als plötzlich wie aus dem Nichts ein E-Roller an mir vorbeigeschossen kommt, offensichtlich auf dem Weg aus der sich gerade neben mir befindenden Hofeinfahrt auf die Straße. Zum Glück ist weder mir noch dem Fahrer des E-Rollers etwas passiert, aber zumindest ich habe mich ziemlich erschrocken.

    Liebe E-Roller-Fahrer, dass diese E-Roller Euren Alltag oft flexibler und einfacher machen, will ich gar nicht bestreiten. Für blinde Menschen sind E-Roller aber mitunter eine Gefahr. Im Vergleich zu Pollern oder Stühlen der Außengastronomie, die in der Regel am selben Ort bleiben, sind sie fast immer unerwartete Hindernisse. Zudem werden sie oft einfach irgendwo abgestellt/abgelegt, manchmal sogar auf Blindenleitstreifen. Ein weiteres Problem ist, dass E-Roller extrem leise sind. Häufig hört man sie gar nicht, gerade bei vielen anderen Umgebungsgeräuschen, und wenn man sie hört, dann erst sehr spät. Deshalb meine Bitte: Achtet auf Eure Umgebung und nehmt Rücksicht auf Eure Mitmenschen. Ihr helft damit nicht nur Menschen mit einer Sehbehinderung, sondern auch Menschen, die mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs sind und nicht so leicht ausweichen können.

    Wenn jeder auf den anderen achtet, ist am Ende allen geholfen. Teilt deshalb gerne diesen Beitrag oder weist anderweitig auf die Situation hin. Vielen Dank!