Kategorie: Blog

  • Und wieder ist ein Jahr zu Ende

    Und wieder ist ein Jahr zu Ende. Ein Jahr, in dem sich vieles in meinem Leben verändert hat, in dem aber auch unheimlich viel persönliche (Weiter)Entwicklung stattfand.

    Im Mai startete ich voller Vorfreude, aber auch Spannung in die Weiterbildung zur Singleiterin für heilsames und gesundheitsförderndes Singen bei der Akademie für Singen, Natur und Gesundheit, durch die ich tolle Menschen kennenlernen und viele Lieder, Tänze, Interventionen mit Body Percussion und Know-How zu Aufbau, Liedauswahl und Anleitung einer Singgruppe aan die Hand bekam. Kaum waren diese vier Module abgeschlossen, saß ich – völlig spontan, da ich eigentlich dachte, es wird mir zu viel, jedoch 1 1/2 Wochen vorher noch Plätze frei waren – im Pflichtmodul für die Zertifizierung „Singleiterin für Pflegeeinrichtungen und Senioren“ bei Singende Krankenhäuser e. V., für die ich durch das Zertifikat der Akademie für Singen, Natur und Gesundheit nur noch zwei Module brauchte – und ehe ich mich versah, hielt ich mit Abschluss meines Wahlmoduls „Singen mit Sterbenden und Trauernden“ Mitte November auch dieses Zertifikat in den Händen.

    Viele weitere, teils grundlegende Veränderungen sollten das Jahr prägen, sei es im Arbeitsumfeld, an meiner Wohnsituation oder im Umgang mit mir selbst. Streckenweise wurde ich in großem Stil herausgefordert und an meine Grenzen (und teilweise auch darüber hinaus…) gebracht. Letzendlich hat mich jedoch gerade das in vielerlei Hinsicht stärker gemacht.

    Für 2024 wünsche ich mir etwas weniger Aufregung und stattdessen etwas mehr Zeit und Raum zum Krafttanken und Durchatmen. Gleichzeitig bin ich voll frischer Energie, als würde ich vor einem neuen, leeren Blatt Papier sitzen, das von mir beschrieben werden möchte. Gerade, da ich durch die Weiterbildungen nochmal viel mehr Sicherheit hinsichtlich der Durchführung musikalisch-sozialer Angebote bekommen habe, verstärkt sich der Wunsch, endlich ins Tun zu kommen und meinen Platz im Ehrenamt zu finden. So befinde ich mich gerade mitten auf der Suche nach meinem zukünftigen Weg: Was geht neben meiner Vollzeit-Berufstätigkeit noch und wo liegen Grenzen? Wie kann bzw. muss ich mein Leben jenseits der Arbeit umstrukturieren, damit es passt? Mit welcher Zielgruppe möchte ich arbeiten? Möchte ich „nur“ als Singleiterin wirken oder wollen andere Aspekte wie meine wiederentdeckte Freude am Vorlesen ebenfalls einbezogen werden? Auch abgesehen vom sozialen Engagement habe ich Lust, zu lernen, Neues auszuprobieren, einfach zu (er)leben – mit Offenheit, Neugierde, Leidenschaft und vor allem mit Freude.

    Ich wünsche Euch für das bevorstehende Jahr Gesundheit und Zufriedenheit, aber vor allem Durchhaltevermögen in schwierigen Situationen und das Vertrauen, dass Ihr Eure Ressourcen kennt und sie erfolgreich für Euch nutzen könnt.

  • Mit dem Medienbus auf Vorlesetour

     

    Lesen ist der Schlüssel zu Bildung. Gleichzeitig gibt es – auch in Deutschland – viele Menschen, denen das Lesen schwerfällt. Gerade für Kinder ist das Vorlesen daher essenziell, um gute Voraussetzungen für die Freude am Lesen(lernen) und das Sprachverständnis zu schaffen, aber auch die Wissbegierde und das Interesse für verschiedenste Themen zu wecken. Um auf die Wichtigkeit des Vorlesens aufmerksam zu machen, ruft die Stiftung Lesen jedes Jahr zum bundesweiten Vorlesetag auf, an dem sich in ganz Deutschland Kindergärten, Schulen, Bibliotheken, Jugendzentren oder auch prominente Persönlichkeiten mit entsprechenden Vorlese-Aktionen beteiligen.

    Eine dieser Aktionen wurde von mir initiiert, und mit dem Kraftnetz Karlsruhe und der Karlsruher Stadtbibliothek konnte ich zwei starke Kooperationspartner gewinnen, Dank derer ich meine Idee in die Tat umsetzen konnte: Zum einen – in unserem Fall mit dem Medienbus (quasi der mobilen Stadtbibliothek) – das Vorlesen kostenlos und ohne große Anfahrtswege in verschiedene Stadtteile Karlsruhes bringen und zum anderen, getreu dem Motto des diesjährigen Vorlesetages „Vorlesen verbindet“, einen Treffpunkt schaffen, an dem zwischenmenschliche Begegnung möglich wird.

    Mit den Stadtteilen Weiherfeld, Oberreut und Beiertheim fuhren wir an diesem Nachmittag insgesamt drei „Bushaltestellen“ an. Im Gepäck hatte ich die bekannte Geschichte über den kleinen Tiger und den kleinen Bären „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch.

    In Weiherfeld führten wir ein paar nette Gespräche mit Bibliotheks-Kundinnen, zum Vorlesen kam allerdings zunächst niemand. Erst nach einiger Zeit entschied sich eine zufällig vorbeikommende Mutter mit ihren zwei Kindern für einen spontanen Zwischenstopp. Es blieb bei einer exklusiven Privat-Vorleserunde, was einerseits zwar natürlich schade war, da viele Plätze im Bus leer blieben, aber durchaus auch seinen Reiz hatte und für den Einstieg gar nicht schlecht war.

    Ziemlich langweilig war es leider in Oberreut, wo ich manchmal kurz vor einem verspäteten Mittagsschläfchen stand, da einfach überhaupt nichts passierte – da wurde eine Stunde auf einmal ganz schön lang, und mein Buch lag auch nur in der Ecke herum.

    Es wurde dann aber doch noch richtig voll im Bus, wenigstens einmal. In Beiertheim wurden wir bereits erwartet: „Da kommt der Bus!“, hörten wir aufgeregte Kinderstimmen rufen, oder: „Der Bus ist ja schon da!“ Am Ende hatten wir acht Kinder und sechs Erwachsene zu Gast und damit einen bis auf den letzten Platz besetzten Bus. So ging unser Plan am Ende doch noch auf: Bei mehreren Familien entstanden schnell Gespräche untereinander, und auch an mich wurden viele Fragen zu meinem Leben mit Blindheit sowie zur Blindenschrift herangetragen. Die Kinder fanden es besonders toll, über das Papier zu streichen und die Punkte unter den Fingern leicht kitzeln zu spüren. Die Eltern informierten sich über den Vorlesetag, die Arbeit des Kraftnetzes und den Medienbus.

    Nicht ganz leicht für einige Kundinnen und Kunden der mobilen Bibliothek war, dass wir am Vorlesetag wirklich nur zum Vorlesen unterwegs waren, also keine Bücher zurückgegeben oder ausgeliehen werden konnten. An allen Stationen kamen Leute, die ihre Ausleihen zurückgeben wollten. Vielleicht tat dem einen oder der anderen der hauptsächlich älteren Besucher*innen ein kurzes Gespräch gut, dennoch kamen wir nicht umhin, sie am Ende mitsamt ihrer mitgebrachten Medien wieder nach Hause zu schicken. Die Resonanz auf unser Vorlese-Angebot war aber – wenn man bedenkt, dass das Wetter nicht wahnsinnig einladend war und der Medienbus krankheitsbedingt in den Wochen zuvor auch kaum unterwegs war, womit die Werbung im Kontakt mit den Menschen wegfiel – fürs erste Mal in Ordnung. Luft nach oben bleibt, aber bereits aus den diesjährigen Erfahrungen lässt sich das mögliche Potenzial solcher Aktionen erkennen und daran anknüpfen. Natürlich wäre es wünschenswert gewesen, wenn es an den ersten beiden Stationen auch so viel Zulauf gegeben hätte wie in Beiertheim. Es hat mir aber trotzdem unheimlich viel Freude bereitet, das Vorlesen selbst wie auch die neugierigen und direkten Fragen der Kinder.

  • Sommerfest im Kretschmar-Huber-Haus am 23.06.2023

    Nachdem ich 2019 bereits die Adventsfeier musikalisch begleiten durfte, freute ich mich riesig, nach 3 1/2 Jahren nun beim Sommerfest wieder für die Bewohner*innen des örtlichen Altenheims zu musizieren.

     

    Gegen 14:30 Uhr fanden sich die Bewohner*innen mit ihren Angehörigen sowie einige ehrenamtliche Mitarbeiter*innen des Freundeskreises des Kretschmar-Huber-Hauses, der das Fest organisierte, im benachbarten evangelischen Gemeindehaus ein. Mit meinem instrumentalen Selbstläufer „Rainy day“ eröffnete ich das bunte Programm.

     

    Nach Kaffee, Kuchen und netten Gesprächen stimmte ich meine vorbereiteten Mitsing-Lieder an. Dafür hatte man mir vorab eine Liste mit den den Bewohner*innen bekannten Volksliedern zukommen lassen, beispielsweise „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, „Kein schöner Land in dieser Zeit“ oder „Hoch auf dem gelben Wagen“. Die Bewohner*innen beteiligten sich aber nicht nur singend bei den Volksliedern, sondern auch mit eigenen Beiträgen: Eine Bewohnerin trug ein Sommergedicht vor, ein Bewohner erzählte einen Witz und ein weiterer Bewohner spielte ein Lied auf der Querflöte und forderte mich mit einem weiteren Volkslied spontan heraus. Es waren schöne, liebevoll aufbereitete Beiträge – kurz und schlicht, aber zu 100 Prozent authentisch und voller Freude.

     

    Mit mindestens genauso viel Freude kamen als weiteres musikalisches Highlight die „Notenküken“, ein Chor von 15 quirligen Kindergartenkindern, zu Besuch und erfreuten unsere Herzen mit einem Frühlingslied, einer Geschichte über Mathilda, die Schnecke in unserem Garten, und zuletzt mit dem bekannten Klassiker über Pippi Langstrumpf. Von den beiden Betreuungsfachkräften des Heims gab es eine kurze Ansprache, bevor sie einen Sitztanz anleiteten. Um den Rahmen des Pogramms zu schließen, war als letztes ich wieder gefragt und ermutigte mit meinem Lied „Liebe Dich selbst“ alle zum Abschluss, negative Glaubensmuster zu durchbrechen und sich selbst Liebe und Wertschätzung anstatt Strenge oder gar Ablehnung entgegenzubringen.

     

    Es machte mich unbeschreiblich glücklich, endlich mal wieder für eine soziale Einrichtung aktiv sein zu dürfen. Musikalische Flexibilität und ein gutes Gespür für die Menschen und die Stimmung im Raum sind dabei sicherlich von Vorteil. Bei den Volksliedern spielte ich nicht einfach meinen Instrumentaldurchlauf und dann die Gesangsstrophen durch, sondern passte mich der Gruppe an – wenn sofort losgesungen wurde, dann gab es eben kein Vorspiel, und wenn in der zweiten Strophe schon niemand mehr Lust hatte oder der Text einfach nicht mehr bekannt war, hörte ich eben nach diesem Durchlauf auf. Einleitungs- und Schlusslied waren in dieser Form gar nicht geplant, da war es gut, eine immer und überall verfüg- und mit nicht perfektem, aber doch ganz vernünftigem Ergebnis abrufbare Liederschatzkiste zu haben. Und das Highlight war natürlich das spontane Zusammenspielen mit dem Heimbewohner mit der Querflöte – sicherlich auch nicht perfekt, aber aus dem Moment heraus mit so viel Begeisterung und Freude seitens des Bewohners, und das zu spüren, war für mich ein großes Geschenk. Wenn mir diese geforderte Flexibilität und Feinfühligkeit für die Situation, die spontane und direkte Interaktion mit den Menschen und das ungezwungene Musizieren aus reiner Leidenschaft, das mit so viel Freude und Dankbarkeit belohnt wurde, ohne dass eine bestimmte Leistung erwartet wurde, eines zeigte, dann: Hier fühle ich mich am richtigen Platz. Hier darf ich so sein, wie ich bin, und kann etwas geben, ohne mich verstellen oder mir Gedanken um die Wirkung meines Verhaltens, meiner Lieder, meines musikalischen Spiel- oder Gesangsniveaus oder sonst etwas machen zu müssen. Hier bin ich zu 100 Prozent ich. Mein Einsatz bei dem Sommerfest bestärkte mich in dem Gefühl, dass mein Weg, langfristig ein regelmäßiges Ehrenamt im sozialen Bereich aufzubauen, richtig ist.

  • Vorlesestunde zum Welttag des Glücks: Eine alte Stärke wird wiederentdeckt

    Nach dem großen Anklang letztes Jahr lud die Stiftung Kraftnetz auch dieses Jahr zu einem Aktionstag anlässlich des Welttags des Glücks ein. So gab es am Sonntag, dem 26.03.2023 in der Kulturküche Karlsruhe wieder ein buntes Programm: Kaffee, Kuchen und frisch gebackene Waffeln, einen Informationsstand zur Bewegung „Action for happiness“, eine Verkleidungsecke, in der man in verschiedene Rollen schlüpfen konnte, ein Ständchen des neu gegründeten Kulturküchen-Chores und noch einiges mehr. Für mich war sofort klar, dass ich nach der durchweg positiven Erfahrung meiner Mitmachbühne auch wieder mit einem eigenen Angebot dabei sein wollte – doch diesmal sollte es nichts mit Musik zu tun haben.

     

    Während meiner Schullaufbahn, insbesondere während der Grundschulzeit und meiner ersten Realschuljahre, prägte vor allem das Lesen meinen Alltag. Ich habe sehr schnell lesen gelernt und konnte fortan kein Punktschriftbuch mehr liegen lassen, ohne nicht wenigstens für ein paar Zeilen meine Finger hineingesteckt zu haben. Dieses Hobby (viele sahen es als eines meiner größten Talente an) blieb meinen Lehrer*innen nicht verborgen und ich wurde zu so ziemlich jedem Vorlesewettbewerb geschickt, an dem die Schule teilnehmen wollte. Das war immer etwas besonderes für mich und die Ergebnisse waren gar nicht schlecht. Aber spätestens mit meinen ersten eigenen Liedern, mit denen ich unter Leute ging, gehörte diese einstige Leidenschaft der Vergangenheit an – bis kurz vor Weihnachten 2022. Da erzählte mir ein Kollege von einem Buch, das er gerade liest, und hatte die Idee, er könne mir ja in einer Mittagspause mal daraus vorlesen. Das war eine unheimlich schöne Erfahrung für mich und löste in mir viele Erinnerungen aus – und führte mich zu dem Entschluss: Ich will es nochmal versuchen!

     

    Und so lud ich an jenem Sonntag in der Kulturküche alle, die wollten, um 15.30 Uhr in ein uriges Eckchen ein, welches ich vorab kuschelig eingerichtet hatte. Es kamen deutlich mehr, als ich erwartet hatte, altersmäßig bunt durchmischt, das hat mich sehr überrascht und ich habe mich riesig gefreut. Passend zum Welttag des Glücks hatte ich mir eine Geschichte namens „Inga und ich machen Menschen glücklich“, eine Geschichte aus der bekannten Reihe „Wir Kinder aus Bullerbü“, von Astrid Linggren ausgesucht. Die Lehrerin hat zu Inga und Lisa gesagt, es sei wichtig, andere Menschen glücklich zu machen. Sie hat auch Tipps gegeben, wie man das anstellen kann. Aber funktionieren diese Tipps auch tatsächlich? Und schaffen die beiden Mädchen es am Ende, jemanden wirklich glücklich zu machen? Eine Geschichte, die sehr realitätsnah und authentisch die Lebenswelt von Kindern aufgreift und mir dadurch immer wieder ein Schmunzeln entlockte, eingebettet in das bekannte Örtchen Bullerbü. Mein Ziel war, eine Perspektive auf das Thema „Glück“ zu werfen, mit der sich die Kinder gut identifizieren können und die die Erwachsenen dazu animiert, das Leben einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und was soll ich sagen? Es war für mich (und ich glaube auch für meine Zuhörer*innen) ein voller Erfolg! Ich merkte, dass trotz der vielen vorlesefreien Jahre immer noch eine gewisse Routine da war, laut vor Leuten zu lesen, bekam im Anschluss viel positives Feedback und es machte mir noch genauso viel Spaß wie früher. Der vertiefende Austausch über das Gehörte und die im Zuge dessen geteilten Denkanstöße aus der Runde bestätigten dies eindrücklich.

     

    Das gegenseitige Vorlesen (nicht in Form von Hörbüchern, sondern von Angesicht zu Angesicht) ist eine besondere Möglichkeit, anderen Menschen (nicht nur Kindern) Zeit und Zuwendung zu schenken. Dies (wieder) zu erfahren und diese alte, lange unbeachtete Stärke nach so langer Zeit mal wieder einzusetzen, war ein tolles Gefühl.

  • Die Tradition der Adventszeitschrift

    Als Kind habe ich es geliebt, zu lesen und war ausgesprochen neugierig. Ich habe mir nicht nur immer viele Bücher ausgeliehen, sondern auch verschiedene Kinderzeitschriften und -kalender bezogen. Diese waren wissenswert und spannend und ich schenkte den Beiträgen meine ganze Aufmerksamkeit, stets bestrebt, alles genau zu verstehen und mir zu merken. Mir fiel aber auch auf, dass sich insbesondere die hauseigene Kinderzeitschrift der Blindenbibliothek aus Artikeln verschiedenster anderer Kinderzeitschriften und Internetseiten zusammensetzte – und das brachte mich auf eine Idee: Wenn Zeitschriftenmachen offensichtlich so einfach ist, dann kann ich das doch bestimmt auch, oder nicht?

     

    Ende November 2013 suchte ich alle Weihnachtsausgaben von Jahres- und Adventskalendern, Kinderzeitschriften und Geschichtenbüchern zusammen, die ich finden konnte. Was mir am besten gefiel, tippte ich in ein Word-Dokument ab, Wort für Wort. Das war im Nachhinein betrachtet wahnsinnig viel Aufwand, aber damals tat ich es einfach, ohne mir darüber Gedanken zu machen. Die Quellen gab ich genauso an, wie ich es aus den Zeitschriften gelernt hatte. Zum Schluss bildete ich aus den abgetippten Artikeln fünf Artikelbündel. Da die Artikel in den Kinderzeitschriften immer sehr bunt durchmischt waren (erst was Wissenswertes, dann eine Geschichte, dahinter ein Rezept…), sollte das bei mir genauso sein. Jedes dieser fünf Bündel bekam einen passenden Namen, wie z. B. „Brrr, kalt!“ oder „Lasst uns froh und munter sein“ und wurde bestimmten Tagen zugeordnet, das erste Bündel galt dem 1. Advent, die nächsten drei dem 2., 3. Und 4. Advent und das letzte dem heiligen Abend. Und damit diese Bündel auch zu einer richtigen Zeitschrift wurden, brauchte ich natürlich noch Abonnenten, die sie lesen. Dafür suchte ich einfach alle Mailkontakte zusammen und verschickte das jeweilige Bündel am entsprechenden Tag in einer Textnachricht in meinem Bekanntenkreis herum – fertig war meine eigene Zeitschrift.

     

    Dass ich mit dieser kleinen Kinderidee etwas durchaus Großes lostreten würde, konnte ich damaals nicht ahnen. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) ich meine Kontakte noch nicht einmal vorab gefragt hatte, ob sie meine Zeitschrift überhaupt haben wollten, sondern sie sie einfach bekamen, waren die Rückmeldungen durchweg positiv. Und was denkt man dann als Kind? Oh, das war ja erfolgreich! Na dann gleich nochmal!

     

    Dann bekam ich mein erstes Handy und die Korrespondenz mit meinem Umfeld verlagerte sich allmählich von den E-Mails auf SMS und Whatsapp-Chats. 2015 gab es deshalb die Adventszeitschrift erstmals neben dem bekannten E-Mail-Format auch als Audiofassung. Stunden und Tage verbrachte ich damit, die für die E-Mails abgetippten Artikel für die Audio-Ausgabe einzulesen und umgekehrt Inhalte, die nur im Audio-Format vorkamen (Zwischenansagen, Lieder und eine weihnachtliche Erkundungstour durch unser Haus) zusammengefasst oder wortwörtlich in die Text-Version einzugliedern. Es sollte das einzige Jahr mit Text und Audio bleiben und das letzte Jahr sein, in dem der Mailverteiler zum Einsatz kam.

     

    Seit 2016 – mit Ausnahme von 2017 – gibt es die Adventszeitschrift nur noch als Audio-Dateien, die ich über einen Whatsapp-Verteiler versende. 2017 erschien sie über meine Website in Form der vierteiligen Geschichte „Wie Weihnachten Kinder erwachsen macht“, in der ich neben der Freude am Weihnachtstag auch viele für mich zum damaligen Zeitpunkt präsente Themen wie Außenwirkung, Eigenständigkeit und soziales Engagement verarbeitete.

     

    Jedes Jahr sage ich mir, dass es diesmal wirklich die letzte Auflage ist. Seit dem Umstieg auf Audio arbeite ich nicht mehr mit bereits vorhandenen Artikeln, sondern bestimme die Themen komplett selbst, von der Entwicklung der Grundfrage über das Sammeln geeigneter Quellen, die Recherche und das Aufbereiten der Inhalte bis hin zum Aufnehmen. Am Heiligabend hat es sich etabliert, dass ich Gastbeiträge meiner Hörer*innen (z. B. Lieder oder Gedichte) einbinde, da kommt dann noch ein Haufen Audiobearbeitung hinzu (wobei mir mein Vater hier netterweise unterstützend zur Seite steht). Kurz gesagt: Dahinter steckt durchaus Arbeit. Gleichzeitig kommt aber unheimlich viel Freude seitens meiner Hörerschaft zurück und ich kann mir sicher sein, dass im nächsten November mehr als einmal die Frage „Machst Du wieder Adventszeitschrift?“ kommt. Durch die Befassung mit ganz unterschiedlichen Themen (z. B.: Wer war der Nikolaus/die heilige Lucia? Wie feiert man Weihnachten anderen Ländern? Wer erfand den Adventskranz? Wie wird eigentlich Marzipan hergestellt? Und vieles, vieles mehr) lerne ich selbst Jahr für Jahr einen ganzen Haufen neues dazu. Ich bin komplett frei in der Ausgestaltung und kann so richtig kreativ werden, gleichzeitig kann ich Impulse setzen, durch die ich meine Hörer*innen aktiv einbeziehe und zum Einbringen eigener Beiträge und Ideen animiere, wodurch ein direkter Austausch und das Schaffen eines gemeinsamen Werkes möglich wird. Ich kann meine Freude  am Musizieren und Sprechen voll ausleben, habe Spaß daran, Weihnachtsgeschichten vorzulesen oder weihnachtliche Rezepte zu teilen, von ganz persönlichen Erlebnissen während der Weihnachtszeit zu erzählen oder Weihnachtslieder zu singen. Und so habe ich mich dann doch immer wieder überzeugen lassen, es nochmal zu machen.

     

    Dieses Jahr erschien die Adventszeitschrift in zehnter Auflage. Ob sie auch nächstes Jahr wieder erscheinen wird, wird meine dann gegenwärtige Lebenssituation zeigen. Eins ist in jedem Fall sicher: In vorweihnachtliche Stimmung kommt man damit allemal – und Kultstatus hat sie jetzt schon.

  • Appell an alle E-Roller-Fahrer

    Ich bin gerade auf dem Weg zur Arbeit, als mir plötzlich ein E-Roller den Weg versperrt. Er liegt mitten auf dem Gehweg und nichts ahnend, wie ich bin, falle ich erstmal drüber – daran kann auch mein Blindenstock nichts ändern.

    Ich bin vielleicht 50 Meter weitergelaufen, als plötzlich wie aus dem Nichts ein E-Roller an mir vorbeigeschossen kommt, offensichtlich auf dem Weg aus der sich gerade neben mir befindenden Hofeinfahrt auf die Straße. Zum Glück ist weder mir noch dem Fahrer des E-Rollers etwas passiert, aber zumindest ich habe mich ziemlich erschrocken.

    Liebe E-Roller-Fahrer, dass diese E-Roller Euren Alltag oft flexibler und einfacher machen, will ich gar nicht bestreiten. Für blinde Menschen sind E-Roller aber mitunter eine Gefahr. Im Vergleich zu Pollern oder Stühlen der Außengastronomie, die in der Regel am selben Ort bleiben, sind sie fast immer unerwartete Hindernisse. Zudem werden sie oft einfach irgendwo abgestellt/abgelegt, manchmal sogar auf Blindenleitstreifen. Ein weiteres Problem ist, dass E-Roller extrem leise sind. Häufig hört man sie gar nicht, gerade bei vielen anderen Umgebungsgeräuschen, und wenn man sie hört, dann erst sehr spät. Deshalb meine Bitte: Achtet auf Eure Umgebung und nehmt Rücksicht auf Eure Mitmenschen. Ihr helft damit nicht nur Menschen mit einer Sehbehinderung, sondern auch Menschen, die mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs sind und nicht so leicht ausweichen können.

    Wenn jeder auf den anderen achtet, ist am Ende allen geholfen. Teilt deshalb gerne diesen Beitrag oder weist anderweitig auf die Situation hin. Vielen Dank!